Urbane Mobilität gestalten, ohne Innovation auszubremsen
18.02.2025
Der Anstieg geteilter Mobilität verändert den städtischen Verkehr weiter, indem er nachhaltige Alternativen zum Privat-PKW bietet, öffentliche Verkehrsmittel ergänzt, Probleme wie Staus und Parkplatzmangel verringert und aktuelle Herausforderungen der urbanen Mobilität bewältigen kann.
Mit der wachsenden Bedeutung flexibler Mobilitätslösungen wird eine moderne, digitale Regulierung unerlässlich — eine Regulierung, die Innovation fördert, fairen Wettbewerb gewährleistet und den bestmöglichen Zugang für Verbraucher:innen sichert.
Bolt setzt auf einen fairen und nachhaltigen Mobilitätsmarkt. Deshalb müssen wir unseren Teil zur Kontrolle des von uns vermittelten Angebots beitragen.
Dieser Blog-Post erklärt, wie eine moderne digitale Strategie ein effizienteres und gerechteres Umfeld für Verbraucher:innen, Aufsichtsbehörden und Unternehmen schaffen kann, und verdeutlicht, warum Ansätze wie Mindestpreisregelungen nicht zielführend sind.
Veränderte Trends in der urbanen Mobilität
In den letzten Jahren hat sich die Art und Weise, wie wir über Mobilität denken, drastisch verändert, insbesondere in städtischen Gebieten.
Der Wandel hin zu flexiblen und ökologisch nachhaltigeren Alternativen zu Privat-PKWs hat zu einem starken Anstieg der Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, des Fahrrads, der geteilten Mobilität und vor allem der Fahrtenvermittlung (Ride-Hailing) geführt. Wir von Bolt haben das unglaubliche Wachstum von Ride-Hailing in Deutschland aus erster Hand miterlebt: Viele Menschen entscheiden sich für unsere Dienste als flexible Alternative zum eigenen Auto.
In einer aktuellen Umfrage gaben 38% der Nutzer:innen der Bolt App an, dass sie ohne Ride-Hailing ihr eigenes Auto für ihre Fahrten genutzt hätten. Zudem erwägen 20% dieser Nutzer:innen aufgrund ihrer positiven Erfahrungen mit Ride-Hailing sogar, ihr Auto ganz zu verkaufen. Dieser Wandel in der städtischen Mobilität ist Teil eines globalen Trends, denn es wird erwartet, dass sich der Anteil von geteilten Mobilitätslösungen am Stadtverkehr bis 2030 verdoppeln wird.
Das Wachstum bringt jedoch auch Herausforderungen mit sich.
Jüngste Untersuchungen bei einigen Taxi- und Mietwagenflotten in Frankfurt haben nicht zu tolerierende Regelverstöße einiger Akteure ans Licht gebracht. Bolt distanziert sich entschieden von solchen Verhaltensweisen und arbeitet eng mit den Behörden zusammen, um solche Vorfälle zu verhindern. Wir sind der Meinung, dass Unternehmen, die sich nicht an alle gesetzlichen Vorgaben halten, nicht als Partner in dieser sich schnell entwickelnden Branche angesehen werden können.
Dennoch ist es wichtig zu erkennen, dass diese vereinzelten Vorfälle nicht die insgesamt positiven Auswirkungen unserer Branche auf die urbane Mobilität, die Verbraucher:innen und die Wirtschaft überschatten sollten.
Warum Mindestpreise nicht die Lösung sind
In Anbetracht der jüngsten Entwicklungen wurde vorgeschlagen, dass die Einführung von Mindestpreisen regelwidrige Praktiken bekämpfen könnte. Wir glauben jedoch, dass dieser Ansatz das Ziel verfehlt.
Mindestpreise führen tendenziell zu Ineffizienzen auf dem Markt, die letztlich die Verbraucher:innen belasten und barrierefreie Mobilitätslösungen teurer machen. Höhere Preise senken die Nachfrage und schränken die Möglichkeiten derjenigen ein, die auf preiswerte Alternativen zum Privat-PKW angewiesen sind. Eine geringe Nachfrage führt dann trotz höherer Preise im Ergebnis zu geringeren Einnahmen bei Taxi- und Mietwagenunternehmen sowie deren Fahrpersonal. Ein gutes Beispiel dafür ist das Gaststättengewerbe: Die Festlegung von Mindestpreisen für Gerichte und Getränke würde nicht dabei helfen, Probleme wie Steuerhinterziehung im Gastgewerbe zu bekämpfen. Sie würde unnötige Hürden für den gesamten Markt schaffen, ohne die strukturellen Probleme zu lösen.
Anstatt eine starre Preisgestaltung einzuführen, plädieren wir dafür, die bestehenden Vorschriften durchzusetzen und die Aufsichtspraktiken zu modernisieren, um sie an die heutige digitale Landschaft anzupassen.
Die Macht der Digitalisierung
Die Digitalisierung ist ein wichtiger Schlüssel zur Bewältigung der Herausforderungen, mit denen unsere Branche konfrontiert ist.
Während Unternehmen wie Bolt moderne Technologien nutzen, um Fahrten effizient zu vermitteln, arbeiten viele Aufsichtsbehörden mit veralteten, schwerfälligen Verfahren. Langwierige, manuelle Antrags- und Kontrollverfahren können ungewollt ein Umfeld schaffen, in dem die Nichteinhaltung von Vorschriften leicht gemacht wird.
Die Überprüfung von Lizenzen für Taxi- und Mietwagenunternehmen erfordert beispielsweise derzeit eine individuelle Prüfung durch die örtlichen Behörden — ein zeitaufwändiger und ineffizienter Prozess. In Deutschland gibt es keine zentrale Datenbank mit gültigen Lizenzen, was es für Plattformen wie Bolt erheblich erschwert, die Echtheit der vorgelegten Dokumente zuverlässig zu überprüfen.
Eine zukunftsweisende Lösung wäre die Einrichtung eines bundesweiten, digitalen und öffentlich zugänglichen Registers für gültige Genehmigungen.
Ein solcher Rahmen, der von den zuständigen Behörden verwaltet wird, würde die Verifizierung erleichtern und sicherstellen, dass nur lizenzierte Unternehmen im Markt tätig sein können. Viele andere europäische Länder haben ähnliche Systeme erfolgreich eingeführt und damit gezeigt, wie digitale Veränderungen die Regulierungspraxis verbessern können.
Die Digitalisierung der Regulierungsbehörden bringt zahlreiche Vorteile mit sich: schnellere Prozesse, weniger Fehler und mehr Transparenz — wovon Nutzer:innen, Aufsichtsbehörden und Unternehmen gleichermaßen profitieren.
Ein smarter Lösungsansatz für faire und effiziente urbane Mobilität
Urbane Mobilität entwickelt sich stetig weiter — und die Regulierung muss Schritt halten. Mit konsequenter Durchsetzung von Regeln und der Bereitstellung digitaler Lösungen können wir Betrug bekämpfen und zugleich einen fairen, wettbewerbsfähigen und zugänglichen Markt für alle schaffen.
Gemeinsam können wir sicherstellen, dass unsere Dienstleistungen einen positiven Beitrag zu unseren Gemeinden leisten und gleichzeitig die Integrität der Branche bewahren.
Lasst uns zusammen darüber reden, wie wir die Zukunft der Mobilität gestalten können.
Sven Ursinus, Head of Public Policy für Deutschland, Österreich und die Schweiz bei Bolt